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Das Greyline, für alle Funkamateure eine tägliche Tatsache sowie auch vielleicht ein Teilbestand der Lizenzprüfung. Des Weiteren für Interessierte und Anfänger, welche sich etwas tiefgreifender mit diesem physikalischen Phänomen beschäftigen wollen eine Art Aha-Erlebnis. Denn es sind unbestritten die wohl magischesten Zeiten eines jeden Tages und in der Wellenausbreitung eine Art Glücksspiel mit obskuren Verbindungen mit der noch so ausgefallensten  Ausrüstung. Angefangen vom Puristen im „MadMax-Style“ bis hin zu den annähernd professionellen Hobbystationen.

Doch was passiert eigentlich jeden Tag zu den beiden Zeiten der Dämmerung und warum sollte man dies nicht einfach ungenutzt verstreichen lassen? Aber bevor man darauf eingeht, sollte man die IST-Zustände während des Tages und der Nacht veranschaulichen.

Es geht eigentlich im Greyline auch nur um die Veränderung der IST-Zustände und wie es sich auf die Wellenausbreitung, insbesondere im Kurzwellenbereich, auswirkt und bemerkbar macht.

Am Tage, wenn die Sonne die Erdatmosphäre trifft, bauen sich in höheren Lagen diverse unsichtbare Schichten mit verschiedenster elektrischer Ladung auf. Wären die Schichten sichtbar, würden Sie aussehen wie durchlässige weiße Wolken mit Ausbeulungen, Löchern und Taschen.

Wolken

Die am Tage aufgebauten Schichten beginnen bei der hochgradig dämpfenden D-Schicht. Darüber eine mit niedriger Leistung meist gut zu erreichende E-Schicht und den hohen F1 und F2 Schichten, welche am Tage mit etwas höherer Ausgangsleistung des eigenen Transceivers erreichbar sein sollten. 

Atmos Tag

In der Nacht erscheint uns eine andere Ausgangslage, welche für viele Funkamateure doch auch sehr attraktiv ist. Und zwar fehlt in der Dunkelheit und ohne die Sonneneinstrahlung die niedrige stark dämpfende D-Schicht, E-Schicht sowie die beiden F-Schichten. Hier kam es zu einem Zusammenbruch. So dass nur noch eine F-Schicht auf der ehemaligen E-Schicht erscheint. Beginnend mit der diffusen Auflösung der niedrigen Schichten entstehen freie Elektronen welche sich auf die Ausbreitungsbedingungen direkt auswirken.

Atmos Nacht

Und zwischen diesen beiden IST-Zuständen ist die magische Zeit des Greyline. Also die unkontrollierbare und diffuse Veränderung, der Zusammensturz und spätere Wiederaufbau der Atmosphärischen Schichten. Ein auf den Frequenzbändern teilweise unbeschreibliches Schauspiel von wechselhaften Verbindungen verursacht durch unterschiedliche Brechung der Funkwellen in den verschiedenen Bereichen, sowie auch der Reflektion und Absorbtion. Des Weiteren das Pendeln der Strahlung zwischen den unterschiedlichen Schichten bis zur Brechung, um dann wieder zurück auf die Erde zu fallen oder ins Weltall abzudriften. Die Schichten organisieren sich von unten nach oben neu. Da die Wellen nun dynamisch in mehreren Schichten ankommen können wird eine Multiskip Ausbreitung begünstigt, so dass auch mit kleiner Leistung interkontinentale Verbindungen ermöglicht werden.

Atmos Greyline Collaps

Wie aus der Beschreibung hervorgeht, ist dieses tägliche Spektakel nicht beeinflussbar und absolut chaotisch. Allerdings bringt genau dieses Chaos spektakuläre Verbindungen zu Stande.

Atmos Greyline Wellen

Denn wenn QRP (Reduced Power) Nutzer doch im Phonie Bereich gerne belächelt werden, so ist auch mit einer niedrigen Ausgangsleistung morgens gerne mal der Sprung nach Nordamerika möglich. Des Weiteren sind Verbindungen innerhalb Europas öfters glasklar und für ein etwas längeres Gespräch nutzbar. Also ist nur der kurze Austausch von Werten durchaus kontraproduktiv,  da besonders in den Morgenstunden die Bänder durch die wenigen Nutzer überschaubar sind und man sich meist hier wirklich vernünftig austauschen kann.

Allerdings bedarf es einiger Geduld, da die Morgenstunden nicht stark frequentiert werden. Auch Wunder darf man nicht erwarten. Aber die Chance auch mit kleinem Equipment in der Stadt etwas zu erreichen ist durch das Greyline extrem gesteigert. Ungeachtet der rechtlichen Vorschriften und Schutzabständen, die für Kurzwellennutzer in dicht besiedelten Gebieten meist ein Killerkriterium darstellen können.

Wiederum hat man in den Abendstunden nach eigenen Erfahrungen zwar auch das selbe Schauspiel. Jedoch sind die Verbindungen mehr ostlastig und gehen verstärkt über Europa in Richtung Asien. Des Weiteren ist hier auch eine höhere Zahl der Nutzer zu bemerken. Da nun, durch die Auflösung der D-Schicht, die Zeit der Low-Bands beginnt. Also Funkbetrieb im Bereich von Langwelle bis ca. 4 Mhz.

So sollte man seine eigenen Aktivitäten und Zielsetzungen vorher überdenken, bevor man sich ins Getümmel stürzt. Denn nur durch etwas Planung und unter Beobachtung des Solarflux (SFI) und der sonst üblichen Ausbreitungsbedingungen, dem Geomagnetfeld und elektrischen Ladungen ist ein erfolgreicher Funkbetrieb im Greyline möglich.

Besonders für Anfänger lohnt es sich zu diesen Zeiten auf den Frequenzen nur mal zuzuhören und die Daten im Auge zu behalten, um zukünftig gezielt vorzugehen und den eigenen Standort besser kennenzulernen bzw. einschätzen zu können.

Hier hoffe ich, einigen Lesern dieses Berichts einen kurzen Einblick gegeben zu haben, um aufzuzeigen das die Möglichkeiten durch das Greyline meist größer sind und kleine Erwartungen auf natürlichem Wege plötzlich vergrößert werden können.

73 & 55

Cornelius - DO1FER